Gemeinsam mit Grenzen leben
Medienempfehlungen zur Woche für das Leben 2010
Vom Borromäusverein e.V. und vom St. Michaelsbund e.V.
http://www.borro.de/ http://www.st-michaelsbund.de/
Biografien
Bauby, Jean-Dominique:
Schmetterling und Taucherglocke / Jean-Dominique Bauby. - Ungekürzte Ausg., 4. Aufl. der Sonderausg. - München : Deutscher Taschenbuch Verl. , 2008. - 133 S. ; 20 cm - (dtv ; 8393). - Aus dem Franz. übersetzt
ISBN 978-3-423-08393-5 - Taschenbuch, 7,90€
bvMedienNr.: 559 176
Der Autor (1959-1997) war Chefredakteur einer bekannten Frauenzeitschrift, als er mit 43 Jahren einen Hirnschlag erlitt. Nach dem Erwachen aus dem Koma war er vollständig gelähmt und konnte auch nicht mehr sprechen. In einer Rehabilitationseinrichtung verbrachte er die letzten Monate seines Lebens. Der kranke Bauby bezeichnete sein Befinden als Eingeschlossensein in eine "Taucherglocke". Wie "Schmetterlinge" fliegen die Bilder der Vergangenheit und die Äußerungen des neuen Lebens an ihm vorbei. Da sein Geist - trotz der körperlichen Misere - so wach war wie nie zuvor, gelang es ihm mit Hilfe eines speziellen Alphabets, das er mit dem Lidschlag des gesund gebliebenen Auges diktieren konnte, diese Bekenntnisse der Mitwelt zu übergeben. Sowohl die Beobachtungen und Erfahrungen eines völlig hilflosen Menschen in einem Krankenhaus als auch die Erinnerungen und Rückblicke auf das Berufs- und Privatleben heben wegen der Tiefe der Reflexion das individuelle Schicksal ins Allgemein-Menschliche. - Ein erschütterndes Buch von menschlichen und literarischen Qualitäten.
Dorner, Maximilian:
Mein Dämon ist ein Stubenhocker: aus dem Tagebuch eines Behinderten / Maximilian Dorner. - 1. Aufl. - München : Zabert Sandmann,
2008. - 165 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-89883-198-7 - Hardcover, 16,95€
bvMedienNr.: 288 504
Maximilian Dorner ist 33 Jahre alt, erfolgreicher Produzent von Drehbüchern und Hörspielen, Theaterkritiker und Literaturlektor. Dann trifft ihn die Diagnose: Multiple Sklerose, eine Erkrankung, bei der sich im Gehirn und im Rückenmark viele kleine Entzündungsherde bilden. Die Ursache des in Schüben verlaufenden Leidens ist noch unbekannt, eine Heilung gibt es bislang nicht, oftmals verläuft die Krankheit so, dass der Betr offene irgendwann auf den Rollstuhl angewiesen ist. Wie der Autor mit dieser Diagnose zurechtkommt, welche Veränderungen sein Leben erfährt, wie er sich als "Behinderter" in der Gesellschaft fühlt erzählt er in Form eines Tagebuches. Die großen und kleinen Einschränkungen im Alltag, das Gehen am Stock, die beginnende Inkontinenz - all das schildert er gut beobachtet und oftmals mit Humor.
Eistel, Bettina:
Das ganze Leben umarmen / Bettina Eistel. In Zsarb. mit Alexander Schuller. - Orig.-Ausg., 1. [Aufl.] - Bergisch Gladbach : Ehrenwirth, 2007. - 299, [16] S. : Ill. (überw. farb.) ; 22 cm
ISBN 978-3-431-03710-4 - Hardcover, 19,95€
bvMedienNr.: 268 244
Als sogenanntes "Contergan-Kind" ohne Arme geboren, meistert Bettina Eistel ihr Leben nicht nur, sondern lebt es mit Selbstbewusstsein und Fröhlichkeit. Die studierte Psychotherapeutin ist inzwischen auch als Fernsehmoderatorin bekannt. Doch ihre Leidenschaft ist die Reiterei. Bei den Paralympics 2004 in Athen gewann sie die Silbermedaille im Dressurreiten. Die Leser/innen dieser Autobiografie werden zum Teil das Aha-Erlebnis haben, dass hier eine ganz normale junge Frau aus ihrem Leben erzählt. Dass sie keine Arme hat, ist nicht das Wichtigste dabei. Das Buch ist fröhlich, mutig, selbstbewusst, gut lesbar und versprüht einen ungebändigten Optimismus.
Hepp, Peter:
Die Welt in meinen Händen: ein Leben ohne Hören und Sehen / Peter Hepp. Unter Mitarb. von Margherita Hepp .... - Berlin : List,
2005. - 303 S. : Ill. ; 22 cm
ISBN 978-3-471-79534-7 – Hardcover, 18,00€
bvMedienNr.: 235 768
Im Jahr 2003 wurde Peter Hepp zum ersten taubblinden Diakon in Deutschland geweiht. Der gehörlos geborene Seelsorger schildert in seiner Autobiographie seine jahrelange Suche nach einer sinnerfüllten Aufgabe, einem Platz in der Gesellschaft. Als er im Erwachsenenalter erfährt, dass er zudem endgültig erblinden wird, stürzt er in eine tiefe seelische Krise. Aus der Kraft seines Glaubens und der Liebe heraus eröffnet sich ihm dennoch ein Weg: Er wird Diakon und findet in der seelsorgerischen Betreuung Hör- und Sehbehinderter seine Lebensaufgabe. Peter Hepp nimmt den Leser mit hinein in die Welt der Gehörlosen und Taubblinden, macht auf ihre Bedürfnisse und Probleme aufmerksam. Das berührende Buch des taubblinden Autors, die Schilderung seines Ringens um Hoffnung und Lebenssinn, ermutigt nicht nur Behinderte zu einem selbstbestimmten Leben, sondern kann auch Wegweiser für Menschen in schweren Situationen sein.
Hinsberger, Gisela:
Weil es dich gibt: Aufzeichnungen über das Leben mit meinem behinderten Kind / Gisela Hinsberger. - Freiburg [u.a.] : Herder, 2007. - 160 S. ; 21 cm - (Herder spektrum ; 3002 : Premiere)
ISBN 978-3-451-03002-4 - Hardcover 12,90€
bvMedienNr.: 275 059
Nachdem Gisela Hinsberger sich für die Geburt ihrer schwerstbehinderten Tochter entschieden hat, trifft sie oft auf Unverständnis und Entsetzen. Mit Sofies Geburt ändert sich das Leben der Mutter komplett: für den 8-jährigen Sohn hat sie kaum noch Zeit, ebenso wenig für soziale Kontakte. Die meiste Zeit verbringt sie in Wartezimmern und Kliniken und mit der Rundumversorgung des Kindes. Trotz aller Hektik, Höhen und Tiefen hält Hinsberger ihre Entscheidung für ein Leben mit Sofie für richtig. Sie glaubt, dass kranken Kinder sich frei entfalten und ihre Freude an ganz einfachen Dingen im Lebens auf andere übertragen können, gerade weil Eltern keine (Leistungs-) Ansprüche an sie stellen. - Dieses Buch ist ein Gedenken der Mutter an ihre Tochter, die mit fünf Jahren starb, aber auch ein Appell an uns, uns behinderten Menschen zu öffnen und mit ihnen die wesentlichen Dinge des Lebens zu erkennen.
Kinder- und Jugendbücher
Gemeinsam sind wir Klasse!
Franz-Joseph Huainigg. Mit Ill. von Verena Ballhaus. - 1. [Aufl.] - München [u.a.] : Betz, 2007. - [14] Bl. : überw. Ill. (farb.) ; 30 cm
ISBN 978-3-219-11291-7 – Hardcover, 12,95€
bvMedienNr.: 270 180 - ab 5
Vor Unterrichtsbeginn gibt es ein großes Tohuwabohu im Klassenzimmer, und mittendrin Bernadette im Rollstuhl. Dann im Unterricht macht Max, ein Kind mit Down-Syndrom, bei Englisch nicht mit, er zeichnet dafür in Florians Heft die Erklärungen zu den neuen Wörtern. Unterstützt wird er dabei von einer zweiten Lehrerin. Während der Pause hilft Sabrina Bernadette auf die Toilette. Daran sind die beiden inzwischen schon gewöhnt, doch am Anfang war es ihnen richtig peinlich. Und Max bekommt nach der Pause die Aufgabe, die Klasse zu malen, während die anderen Kinder Rechenaufgaben machen. Aber nicht alles läuft so harmonisch ab. Als Max aus Versehen einen Turm aus Bauklötzen in der Spielecke umstößt, wird Bernhard richtig wütend und beginnt ihn zu beschimpfen. Es kommt zu einer Rauferei zwischen Bernhard und Florian, der Max verteidigt hat. Da steigt Max auf einen Tisch und ruft: "be quiet!" Er kann also doch Englisch lernen! Und verzeihen kann er auch, denn er geht auf Bernhard zu, um ihn zu umarmen. Alle Kinder verstehen, dass Max zu ihnen gehört! - Herrlich bebildert, einfach geschrieben, und keineswegs beschönigend oder vereinfachend: ein ganz normaler Schulalltag mit unterschiedlichsten Kindern, die unterschiedlich lernen und gefördert werden müssen.
Meine Füße sind der Rollstuhl
Franz-Joseph Huainigg. Ill. von Verena Ballhaus. - Überarb. und neu ill. Neuaufl., 1. [Aufl.] - München [u.a.] : Betz, 2003. - [14] Bl. : überw. Ill. (farb.) ;
30 cm Frühere Ausg. im Verl. Ellermann, München
ISBN 978-3-219-11097-5 – Hardcover, 12,95€
bvMedienNr.: 194 849 – ab 5
Margit, die von Geburt an gelähmt ist, darf zum ersten Mal alleine in den Supermarkt zum Einkaufen fahren. Auf dem Weg bemerkt sie, wie manche Leute sie anstarren. Am Spielplatz sieht sie, wie andere Kinder, einen Jungen verspotten, weil er dick ist. Im Supermarkt ist immer gleich jemand da, der ihr das Gewünschte gibt, obwohl Margit es sich auch selbst nehmen könnte. Dagegen merkt sie beim Zebrastreifen, dass der Randstein zu hoch für sie ist, doch alle anderen Leute scheinen das nicht zu bemerken, bis der dicke Junge vom Spielplatz seine Hilfe anbietet. So lernt sie nicht nur, was sie selbst alles kann, sondern auch um Hilfe zu bitten und auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen. – Ein schönes Bilderbuch mit einfachen, aber aussagekräftigen Zeichnungen und Collagen.
Murail, Marie-Aude:
Marie-Aude Murail. - 4. Aufl. - Frankfurt : Fischer-Taschenbuch-Verl., 2008. - 300 S. ; 21 cm - (Fischer Schatzinsel). - Aus dem Franz. Übersetzt.
ISBN 978-3-596-85207-9 – Hardcover, 13,90€
bvMedienNr.: 268 910 – ab 14
Der 22-jährige Barnabé, genannt Simpel, ist aufgrund seiner geistigen Behinderung auf dem Entwicklungsstand eines Dreijährigen. Bisher hat er in einer Anstalt gelebt, da der Vater sich nach dem Tod der Mutter außer Stande sah, für ihn zu sorgen. Nun hat Simpels Bruder Colbert (17) ihn aus der Anstalt geholt, da er der Mutter versprochen hat, sich um den Bruder zu kümmern. Er selbst will in Paris die Schule besuchen, dann studieren und das alles mit Simpel, der auf keinen Fall in die Anstalt zurück soll. Er findet eine WG, in der man bereit ist, sie beide aufzunehmen. Nach anfänglicher Skepsis gewöhnen sich die WG-Bewohner rasch an Simpel und seine direkte und unkonventionelle Art, mit der er ihnen unbewusst einen Spiegel vorhält, der sie zum Nachdenken über sich selbst bringt. – Ein amüsanter und doch auch nachdenklich stimmender Jugendroman.
Sei nett zu Eddie
Virginia Fleming. Ill. von Floyd Cooper. - [Neuausg.] - Oldenburg : Lappan, 2006. - [16] Bl. : überw. Ill. (farb.) ; 26 cm. - Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-8303-1106-5 – Hardcover, 9,95€
bvMedienNr.: 249 578 – ab 5
An einem sonnigen Frühlingstag beschließen Christina und Robert, zum Waldsee zu gehen und Froschlaich zu suchen. Darüber, dass der Nachbarsjunge Eddie mitkommen will, sind sie nicht begeistert. Denn Eddie leidet am Down-Syndrom, und Christinas Mutter sagt immer, man müsse besonders nett zu ihm sein. Das fällt vor allem Robert schwer. Aber schließlich ist es Eddie, der das tiefste Gespür für den Schutz und die Schönheit der Natur und große Empfindsamkeit und Herzenswärme beweist. - Die leuchtenden Bilder, die wie von impressionistischen Texturen überzogene Fotos erscheinen, lassen das flirrende Licht eines Frühlingstages in überraschenden Perspektiven lebendig werden. Die textlich schon relativ komplexe Geschichte kann Kindern ab 5 Jahren (möglichst mit unterstützendem Gespräch) verletzende Etikettierungen deutlich machen und die vermeintliche Überlegenheit der "Gesunden" in Frage stellen.
Steinhöfel, Andreas:
Rico, Oskar und die Tieferschatten / Andreas Steinhöfel. - 2. [Aufl.] - Hamburg : Carlsen, 2008. - 220 S. : Ill. ; 21 cm
ISBN 978-3-551-55551-9 – Hardcover, 12,90€
bvMedienNr.: 557 838 – ab 10
Der 11-jährige Rico wohnt mit seiner Mutter in einem Mietshaus in Berlin Kreuzberg. Er bezeichnet sich selbst als "tiefbegabt". Er ist ein bisschen langsam im Denken, v.a. wenn viele Dinge gleichzeitig passieren, entsteht schnell ein großes Durcheinander in seinem Kopf. Außerdem verläuft er sich ständig, da er Rechts und Links einfach nicht unterscheiden kann. Deshalb besucht er ein Förderzentrum. Doch Rico wächst über sich hinaus, als er Oskar, seinen neuen hochbegabten Freund, aus den Fängen eines Kidnappers befreien muss. - Wunderbar Steinhöfels Schilderungen des "Milieus" und seiner Menschen. Mit Rico ist ihm ein wahrer Antiheld gelungen, der mit viel Fröhlichkeit und Witz von den Geschehnissen berichtet. Ein erstklassiges Lesevergnügen für Jung und Alt!
Verroen, Dolf:
Josefinchen Mongolinchen / Dolf Verroen. Mit Zeichn. von Birte Müller. - 1. Aufl. - Stuttgart : Verl. Freies Geistesleben, 2006. - 111 S. : zahlr. Ill. ; 24 cm. - Aus dem Niederländischen übersetzt.
ISBN 978-3-7725-2043-3 – Hardcover, 13,50€
bvMedienNr.: 249 804 – ab 9
Zwar ist Josefientje schon 20 Jahre alt, doch fühlt sich der zehnjährige Jens oft wie ihr großer Bruder, denn seine Schwester hat das Down-Syndrom. Sie wird in einem Heim gut versorgt und geht sogar arbeiten - dennoch sind ihre Eltern stets besorgt um sie. Und auch Jens bedrückt vieles: Schulprobleme, Eifersucht, seine Verantwortung für Josefientje. Sehr einfühlend beschreibt der Autor, was es für ein Geschwisterkind bedeutet, mit einer Behinderung in der Familie zu leben, auch wenn die Atmosphäre noch so rücksichts- und liebevoll ist. Mit seinen zwiespältigen Gefühlen fühlt sich der Junge allein und häufig ist es seine Schwester, die dies am ehesten erkennt. Man kommt beim Lesen der (wahren) Geschichte dieser Familie sehr nahe, was durch die Zeichnungen und die schöne Ausstattung des Buches noch unterstützt wird.




